Leber-Transplantation: Bitte warten!? Die Erfolge sind - auch bei Älteren - beeindruckend, die Wartelisten leider lang

Pressemeldung 10.05.2010

 


 

Die Leber zählt zu den „geduldigsten" und gleichzeitig tückischsten Organen im menschlichen Körper. Sie regeneriert sich im Normalfall rasch, verursacht aber bei ernsthaftem Leiden lange Zeit keine nennenswerten Schmerzen. Da der Patient mangels Beschwerden keinen Anlass zur ärztlichen Konsultation sieht, werden lebensbedrohende Erkrankungen dieses Organs oft spät, etwa im Zuge einer Vorsorgeuntersuchung, erkannt.

 

Patienten mit weit fortgeschrittenen Leberleiden kämpfen mit starker Müdigkeit, Antriebs- und Appetitlosigkeit, Muskelschwund und Depressionen. Auch die Denkleistung verringert sich sehr rasch. Im Endstadium einer Lebererkrankung stellt der Ersatz dieses Organs durch die Leber eines verstorbenen Menschen die einzige Überlebenschance dar. In den letzten 10 Jahren haben sich Transplantationstechniken und Nachbetreuungstherapien massiv verbessert. Denn Patienten, die für eine Lebertransplantation in Frage kommen, haben nur mehr eine Lebenserwartung von wenigen Monaten bis Jahren. „Im Vergleich dazu leben 5 Jahre nach diesem Eingriff noch rund 70-75% % der Patienten, für die wir eine neue Leber finden konnten. Lebensqualität und Leistungsfähigkeit entsprechen bei vielen durchaus denen gleichaltriger Gesunder", berichtet Univ-.Prof. Dr. Gabriela Berlakovich, Transplantationschirurgin an der Medizinischen Universität Wien.

 

Große Erfolge auch bei Älteren

 

Apropos Alter: Wurden Lebertransplantationen bis vor 20 Jahren nur bis zu einem Alter von 60 durchgeführt, so ist heute fast ein Viertel der Patienten über 60. „Alter ist kein Ausschließungsgrund mehr. Unseren langjährigen Beobachtungen nach gibt es nicht mehr chirurgische Komplikationen als bei jüngeren Patienten. Abstoßungsreaktionen sind sogar seltener", bestätigt Prof. Berlakovich.

 

Auch an der Universitätsklinik Innsbruck sind Lebertransplantationen längst keine Frage des Alters mehr. „Bei älteren Patienten spielt natürlich vermehrt der Gesundheitszustand insgesamt, also etwa zusätzliche Erkrankungen wie koronare Herzerkrankungen eine Rolle für die Entscheidung pro/contra Transplantation", berichtet der Direktor der Univ.-Klinik für Visceral-, Transplantations- u. Thoraxchirurgie, Univ.-Prof. Dr. Johann Pratschke. Auch seinen Erfahrungen nach treten Unverträglichkeitsreaktionen bei Älteren sogar seltener auf, nicht zuletzt aufgrund verbesserten Know-hows über Einsatz und Dosierung abstoßungshemmender Präparate.

 

Vorbild Spanien

 

Da die neue Leber nur von einem hirntoten Spender kommen kann, erhält aber leider nur ein kleiner Teil der Betroffenen die überlebenswichtige Hilfe. Obwohl Österreich innerhalb Europas eine führende Rolle einnimmt, warten hierzulande immer noch über 1.000 Patienten pro Jahr auf eine neue Niere, Leber oder Lunge. Nur rund 26 Spenderorgane pro Million Einwohner können jährlich transplantiert werden. „Die größte Herausforderung für uns ist daher nach wie vor die Erhöhung der Spenderzahl", berichtet der Vorstand der Wiener Universitätsklinik für Chirurgie, Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Mühlbacher. Der Experte regt dazu schon seit längerem an, hierzulande in mehr als den bisher 11 Spitälern Organspendenbeauftragte heranzubilden. Deren Aufgabe ist es, mögliche Spender auf Intensivstationen zu identifizieren und im Anlassfall den umgehenden Kontakt mit Kollegen herzustellen. In Spanien, wo dieses System flächendeckend etabliert ist, können auch europaweit die meisten Organe hirntoter Spender transplantiert werden. „Wenn bei uns mehr Kliniken diesem Beispiel folgten, könnten wir - gemessen an der pro Kopf-Einwohnerzahl - annähernd das Niveau Spaniens erreichen", gibt sich Prof. Mühlbacher zuversichtlich. Für viele Schwerstkranke, die mit beklemmenden Ängsten ein Leben auf der Warteliste führen, wäre dies jedenfalls ein großer Segen.

 

Was führt zur unheilbaren Lebererkrankung?

Eine mögliche Ursache sind Hepatitis A, B oder C. Die Leber infiziert sich dabei mit Viren, welche die Erbsubstanz in der Zelle, die Teilung und Vermehrung verändern. Dadurch kann sich ein bösartiger Tumor bilden. Zumindest gegen Hepatitis A und B gibt es eine wirksame Schutzimpfung, die vermehrt in Anspruch genommen werden sollte.

Auch ein Übermaß giftiger Substanzen sowie ständiger, hoher Schlafmittel- oder Drogenkonsum oder chronische Stoffwechselerkrankungen können die Leber zerstören. In selteneren Fällen kann eine Fehlbildung der Gallengänge zu chronischer Entzündung und schließlich zur Leberzirrhose führen. Zu knapp 50% spielt auch die Alkoholkrankheit eine entscheidende Rolle.

 

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Mag. Karin Hönig-Robier
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